naivsuper
Kunst im Taschenformat
Das alte Industriegebäude, ein klassischer Klinkerbau, liegt direkt an der Spree. Nach kurzem Klopfen öffnet sich die unscheinbare Tür zur faszinierenden Welt von Stephane Leonard und Claudio Pfeifer. Die beiden Freunde teilen nicht nur ihren Arbeitsraum miteinander, sondern auch die Leidenschaft für Kunst. Das Atelier ist noch nicht ganz fertig, trotzdem knistert der riesige Raum vor Kreativität, Inspiration und Tatendrang. Kennengelernt haben sich die beiden während ihres Studiums an der Hochschule für Künste in Bremen. Mit naivsuper haben die beiden eine eigenständige, analoge Plattform geschaffen, die Kunst auf eine bezahlbare und trotzdem wertvolle Ebene hebt.
Wie hat das mit naivsuper denn eigentlich angefangen?
Ursprünglich haben wir naivsuper als Plattenlabel gegründet. Wir haben immer wahnsinnig viel Wert auf das Artwork gelegt und den Großteil der Arbeit dabei natürlich selbst gemacht. Wir haben die Releases immer in limitierter Stückzahl aufgelegt, das haben wir bis heute beibehalten. Irgendwann haben wir dann einfach gemerkt, dass wir keine CDs mehr verkauften. Nicht, weil wir das nicht mehr wollten, sondern weil das Interesse der Leute einfach abnahm. Durch das Internet hatte sich die Musikszene weiterentwickelt. Überall bekam man kostenlose Downloads, immer neue Weblabels tauchten auf und da unsere eigenen Kunstprojekte gleichzeitig immer zeitintensiver wurden, haben wir den Fokus von naivsuper ein wenig verschoben.
Und das habt Ihr einfach so gemacht?
Mehr oder weniger, ja. Irgendwann merkten wir, dass wir immer mehr Kunstbücher, -magazine, aber auch Fotografie- und Zeichen-Fanzines, aber immer weniger neue Musik kauften. Unsere persönliche Liebe zum gedruckten Werk führte uns zu der Entscheidung aus dem einstigen Plattenlabel einen Verlag zu machen.
Wie wählt Ihr die Künstler aus, deren Werke ihr veröffentlicht?
Wir sind selbst Addicts und immer auf der Suche nach Neuem. So finden wir immer wieder großartige junge Künstler, die wir fragen, ob sie Lust auf unser Projekt haben. Außerdem bekommen wir natürlich regelmäßig Bewerbungen zugeschickt. Mal mehr und mal weniger aufwändig ausgearbeitet. Hier finden wir dann ebenfalls immer mal wieder Sachen, die uns richtig gut gefallen und die wir dann veröffentlichen. Natürlich nutzen wir unsere Position auch, um unsere eigenen Arbeiten zu publizieren.
Wie oft veröffentlicht Ihr neue Bücher?
Normalerweise erscheinen höchstens zwei neue Publikationen im Jahr, naivsuper ist zwar unser Baby, aber wir lassen absolut keine Hektik bei diesem Projekt aufkommen. Interessanterweise erhöht das unsere Wahrnehmung bei den Leuten, unsere Stammkunden warten immer schon sehnsüchtig auf eine neue Veröffentlichung.
Wie vertreibt Ihr die naivsuper Bücher?
Über die vielen Jahre, die wir dieses und viele andere Projekte bereits machen, haben wir ein gutes Netzwerk auf der ganze Welt aufgebaut. Kleine, aber feine Bücherläden mit einem persönlichen Faible für Kunst funktionieren für uns ganz hervorragend als Verkaufsplattform. Durch unseren entschleunigten Veröffentlichungsrhythmus erreichen wir so unsere Zielgruppe ziemlich gut.
Gibt es denn auch naivsuper Ausstellungen, die man besuchen kann?
Wir haben verschiedene Ideen, wie wir das in Zukunft umsetzen könnten. Durch Claudios anderes Projekt, Pogo Books, wissen wir aber auch, wie aufwändig solche Ausstellungen sein können. Ganz bestimmt wird es in Zukunft etwas in dieser Richtung geben. Die typische Prosecco Party wird das aber dann ganz sicher nicht. Wir finden es ehrlicher, wenn wir unsere Freunde und Bekannten einladen, ein bisschen Musik spielen und alle einfach Bier trinken.
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Die Bücher von naivsuper sind eine wirklich fantastische Sache. Kunst zu einem bezahlbaren Preis findet man schließlich nicht überall. Durch die limitierten Auflagen, werden die Bücher selber zu kleinen Kunstwerken und die bereits ausverkauften Editionen sind schon gesuchte Stücke mit Wertsteigerung.
Eine kleine aber feine Auswahl gibt es momentan bei MONOQI.
Kai Petermann lebt in Berlin und schreibt bei Stilsucht täglich über Produktdesign.





