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Die Milan Design Week 2012
Italienische Lebensart






Die Milan Design Week ist, ganz ohne Zweifel, ein absoluter Pflichttermin, wenn es um Interieur Design geht. Sechs Tage lang geben die Großen und Kleinen der Szene sich viel Mühe, sich ins rechte Licht zu rücken und entsprechende Aufmerksamkeit zu erhaschen. Das Ergebnis ist eine beeindruckende Mischung aus wunderbaren Gesamtkunstwerken und kleinen Schätzen, die es überall in der Stadt zu entdecken gilt.

Man benötigt Zeit, wenn man wirklich alles sehen will. Neben dem Salone Internazionale del Mobile auf dem Messegelände, sind viele unterschiedlich große Ausstellungen über die gesamte Stadt verteilt. Aber es lohnt sich tatsächlich auch, denn für Mailand geben sich alle Beteiligten viel Mühe, dementsprechend hoch ist die Qualität der jeweiligen Installationen und Arrangements.

Das Publikum auf dem Messegelände ist bunt gemischt. Telefonierende Italiener in fantastisch sitzenden Anzügen – diese Saison trägt man dunkelblau –, viele Gruppen meist sehr junger Japaner, übertrieben klischeehaft auftretende Russinnen und jede Menge anderer mehr oder weniger auffälliger Menschen aus aller Welt durchfluten die Gänge und Messestände. Genau so vielfältig sind die Aussteller aufgestellt. Hier treffen die ganz großen Möbelklassiker von gestern auf ihre potenziellen Nachfolger, geschmacklich fragwürdige Kreationen tragen voller stolz – und vermutlich zu Unrecht – den Stempel „italienisches Design“ und schon am nächsten Stand steht man ehrfürchtig in einem liebevoll arrangierten Gesamtkonzept des guten Geschmacks. Ein echtes Highlight ist zweifellos der Stand von Vitra. Hinter Wänden aus übereinander gestapelten Plastikkisten taucht man ein in eine beeindruckend schöne und detailverliebte Welt. Jeder Quadratmeter ist mit so viel spürbarer Leidenschaft gestaltet, dass man ständig neue Details entdeckt. Denn nicht nur Klassiker und Neuheiten wurden hier liebevoll miteinander kombiniert – Blumen, Nippes, Grafiken und viele andere Kleinigkeiten wecken ein warmes und ehrliches Haben-wollen-Gefühl.
Als Gegenpol findet man ein paar Meter weiter samtig glänzende, gold glitzernde, mit Kristallen klimpernde, gnadenlos überladene und vom Barock inspirierte Wohnarrangement, die Ludwig XIV. mit Sicherheit ein leidenschaftliches Seufzen entlockt hätten. Die passende Kundschaft liess aber nicht auf sich warten.

Die Satelliten der Mailänder Design Week sind in der gesamten Stadt zu finden. Oft in pompösen, historischen Gebäuden, die für sich allein schon einen Besuch wert wären. Eine kleine Ausstellung über brasilianisches Design ist leider kein bisschen spannend, umso großartiger die Kooperation von Wallpaper und Brioni. Aber eigentlich war das ja nicht anders zu erwarten. Auf drei Stockwerken verteilt wird das Konzept „Made by Hand“ auf unterschiedliche Weise präsentiert. Die Kombination aus traditioneller Handarbeit und Luxusprodukten wirkt keine Sekunde angeberisch, vielmehr kann man sich von den Ideen und den Möglichkeiten faszinieren lassen. Handgemacht ist eben völlig zu Recht längst wieder zu einem Qualitätsmerkmal geworden.

Außerdem zieht es interessanterweise zunehmend Automobilhersteller nach Mailand. Neben Mini und Ford, hat auch Citroën das Potenzial entdeckt und stellt auf der Monte Napoleone fünf Jahrzehnte Designgeschichte aus. Natürlich werden die eigenen Spitzenmodelle der jeweiligen Dekade ebenfalls präsentiert und ganz am Ende der Straße gibt es sogar einen kleinen Ausblick in die (automobile) Zukunft. Audi hat von Clemens Weisshaar und Reed Kram einen Stuhl entwickeln lassen, der die Leichtbau-Kompetenz der Ingolstädter beweist und mit einer entsprechenden Installation die Krafteinwirkung auf das Material darstellt. Das Ergebnis ist wirklich sehenswert.

Die Ventura Lambrate ist zwar eine gefühlte Tagesreise vom eigentlichen Messegelände entfernt, der Ausflug dorthin lohnt sich aber aus vielerlei Hinsicht. Viele junge Designer präsentieren Ihre Entwürfe und Konzepte in einer alten Industriehalle. Hier geht es nicht um ein spektakuläres Umfeld, sondern um die eigentliche Idee – junge Talente präsentieren ihre Arbeiten, erklären sie und führen sie vor und zu sehen sind wirklich großartige Produkte, von denen man nur hoffen kann, dass sie den Weg in möglichst viele Geschäfte dieser Welt finden. Auf der anderen Straßenseite werden im Rahmen einer künstlerisch angehauchten Installation währenddessen Möbel für den dritten Weltkrieg präsentiert.

Es gibt wirklich viele Gründe, wenigstens ein Mal im Leben während der Design Week nach Mailand zu reisen – langweilig wird es in keinem Fall. Man sollte allerdings wirklich frühzeitig buchen, um noch ein halbwegs bezahlbares Hotelzimmer zu bekommen. Oh, und einen Grund für diese Reise hätte ich fast vergessen. In Mailand gibt es natürlich an wirklich jeder Ecke fantastischen Kaffee zu trinken.

 
Kai Petermann lebt in Berlin und schreibt bei Stilsucht täglich über Produktdesign. Für MONOQI flog er nach Mailand, um ein paar Espressi zu trinken.

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