Grüner Protest
Zurück zu den Wurzeln

Posted on Aug 9, 2012

Bunte Blumen, frische Blätter, zarte Knospen – es sprießt überall. Allerdings steckt hinter diesen grünen Inseln in der Stadt mehr als der simple Wunsch nach mehr Natur in der Stadt. Die heimliche Aussaat von Pflanzen als subtiles Mittel politischen Protests und zivilen Ungehorsams im öffentlichen Raum wird als Guerillagärtnerei bzw. Guerilla Gardening bezeichnet. Genau wie die “echten“ Guerilleros vermeiden Guerilla-Gärtner die offene Konfrontation und nehmen heimlich „Überraschungspflanzungen“ vor. Die Aktionen finden vorrangig in Großstädten auf öffentlichen Grünflächen, aber auch in Briefkästen oder anderen Behältnissen statt. Für das Vorgehen an belebten Plätzen wird die ultimative Geheimwaffe der „Green Guerilleros“ eigesetzt: die Samenbombe, ein Gemisch aus Erde, Ton, Dünger und Samen. Eine Bombe, die keine zerstörerische Wirkung entfaltet, sondern bunte Blüten treibt. Diese kann man dann vom fahrenden Rad aus auf Verkehrsinseln werfen oder beim Spaziergang unauffällig fallen lassen. Also ganz im Sinne des Unerkannt-Bleibens und der heimlichen Bepflanzung öffentlicher Flächen.

„dpa Berlin: Unbekannte haben in den letzten Wochen zum wiederholten Mal Eingriffe in das Stadtbild vorgenommen: in Kreuzberg sprießt Klatschmohn, im Prenzlauer Berg Kornblumen Ringelblumen und in Mitte tummeln sich auf verlassenen Grünstreifen bunte Wildblumen. Durch das ausgeklügelte Vorgehen der Täter, die sich selbst „Guerilla-Gärtner“ oder „Boten der bunten Pracht“ nennen, wird das Ausmaß ihres Handelns erst Wochen später sichtbar. Die Berliner Polizei bittet um ihre Mithilfe. Sollten Sie wild blühende Blumen in der Innenstadt entdecken oder Menschen beobachten, die mit braunen Lehmkugeln ausgestattet durch die Stadt streunen, so melden Sie sich umgehend bei der nächsten Polizeidienststelle.“

So oder ähnlich könnte eine aktuelle Zeitungsmeldung in Berlin lautenaussehen. Denn gerade in letzter Zeit ist zu beobachten, dass sich das „Wildgärtnern“ zunehmender Beliebtheit erfreut.
Die Grundidee der Seed Bombs oder auch Samenbomben, hat ihren Ursprung in Japan. Nach dem zweiten Weltkrieg nutzten die Bauern diese Methode, um ihre Felder auch ohne Pflug zu bestellen. Allerdings griffen nur wenige Bauern auf diese Methode zurück und die kleine Kugel geriet in Vergessenheit. Mit dem Aufkommen des Guerilla Gardenings um 1970 blühte das Interesse an der Samenbombe erneut auf. Der Name dieser Bewegung entstand in Anlehnung an die nationalen Befreiungs- und Unabhängigkeitskriege in unterentwickelten Ländern im 20. Jahrhundert – nun allerdings auf die Natur übertragen.

Die zarten Keimlinge dieser Subkultur durchbrachen erstmals in New York den Boden. Kleine Gruppierungen von Aktivisten versuchten sich durch die Aktionen Gehör zu verschaffen. Ähnlich öffentlicher Demos verschiedenster Bewegungen, machen die Anhänger dieser Bewegung durch Pflanzaktionen auf ihre Anliegen aufmerksam. So stehen auch hier Kritik an der Regierung, der Umweltpolitik und der Globalisierung im Vordergrund. Wurzeln schlagen konnte die Bewegung allerdings erst seit Beginn des 21. Jahrhunderts. Nun allerdings in allen großen – vor allem westlichen – Metropolen. In die große Presse schaffte es die grüne Bewegung erstmals am 1. Mai 2000. An dem Tag versammelten sich in London mit Spaten, Gartengeräten, Muttererde und Setzlingen bewaffnete Globalisierungskritiker, Anarchisten und Umweltaktivisten auf einer Rasenfläche direkt auf dem belebten Parliament Square. Diesen gruben sie komplett um, um ihn anschließend zu bepflanzen. Die Nachricht verbreitete sich wie die Samen einer Pusteblume im Wind und das Anliegen der Aktivisten fand Gehör.

Mittlerweile hat sich Guerilla-Gardening zum urbanen Gärtnern oder zu urbaner Landwirtschaft weiterentwickelt und verbindet Protest und Nutzen: neben der offenen Kritik an bestimmten Zuständen in der Gesellschaft und der Welt sind darüber hinaus Selbstversorgung beziehungsweise die Verschönerung trister Innenstädte durch Begrünung brachliegender Flächen ein Beweggrund. So ist auch das Anlegen von Dachgärten schwer im Kommen und die Aussicht auf eigene Ernte ein Ansporn für viele Neulinge im Guerilla-Gardening-Dschungel.

Auch wenn Guerilla Gardening inzwischen „gesellschaftsfähig“ geworden und in der Mitte angekommen ist, sollte man überdies nicht den Ursprung dieser Subkultur vergessen und welches Ziel sie eigentlich verfolgte: sich auf friedliche Art und Weise Gehör zu verschaffen und für eine wichtige Sache einzutreten. Für alle neuen Rekruten, Aktivisten und Weltverbesserer ist die Samenbombe damit der perfekte Einstieg in die wilde Gärtnerszene.

Autor: Meike Wingenroth, Fotocredits: The Seed Bomb Factory

Falls es jetzt auch in Deinen Fingerspitzen kribbelt und Du den Drang verspürst Deine Stadt mit einem bunten Blumenteppich zu verschönern oder Du einfach nur mal etwas „Verrücktes“ oder „Verwegenes“ tun möchtest, dann komm uns auf MONOQI.de besuchen und statte dich mit der Munition für den „grünen Kampf“ aus.

Nachricht hinterlassen