Glühender Abschied
Ein Nachruf auf die Glühlampe
Wenn am 1. September 2012 die Sonne aufgeht wird sich scheinbar nichts geändert haben. Die Menschen werden aufstehen, duschen, Frühstück machen, Kaffee trinken und, da der Tag in diesem Jahr auf einen Samstag fällt, vielleicht auf den Markt gehen oder – bei gutem Wetter – in Ruhe und ausführlich auf dem Balkon die Zeitung lesen. Nichts wird darauf hindeuten, dass eine mehr als 130-jährige Ära zu Ende gegangen ist. Denn an diesem Tag wird der letzte Schritt des EU-weiten Glühlampenverbots in Kraft treten. Ein guter Grund für einen Nachruf auf ein ganz selbstverständliches Leuchtmittel.
Sie ist ein Klassiker unserer Alltagskultur. Ihr Design ist unprätentiös, das Funktionsprinzip selbst für Kinder nachvollziehbar. Durch einen gewendelten Glühfaden, der von Schutzgas umgeben ist wird ein Stromfluss geschickt, der das Metalldrähtchen erhitzt, bis es hell zu glühen beginnt. Der Anteil des sichtbaren Lichts dieser kleinen künstlichen Sonne beträgt dabei gerade einmal 5%, der Rest verpufft ungenutzt als Wärmestrahlung. Zum Vergleich: Eine Energiesparlampe setzt zwischen 60 und 85% ihrer Leistung in Licht um und benötigt deshalb einen Bruchteil der Energie einer herkömmlichen Glühlampe. Bei LED-Leuchtmitteln sind es sogar 90%. Die Glühlampe ist also ein Dinosaurier, ihre Tage gezählt. Die EU-Verordnung von 2009 sieht vor, alle Beleuchtungsmittel der Energieeffizienzklassen D, E, F und G bis 2012 vom Markt zu nehmen. Deshalb wurden in den Jahren 2009 bis 2011 bereits 100 Watt, 75 Watt und 60 Watt Glühlampen verboten. Und am 1. September fällt die letzte Bastion: die 40 Watt Glühlampe. Zurück bleiben Beleuchtungsmittel wie Halogen-, LED- und Energiesparlampen.
Surft man durchs Netz, finden sich nicht wenige Stimmen, Initiativen und Dokumentationen für und gegen das Glühlampenverbot. Einmal ist es das Lichtkartell, das im Hintergrund die Fäden zieht und statt der Glühlampe nun mit einer teuren, aber vor allem gesundheitsschädlichen Energiesparlampe Milliarden verdienen will. Dann richtet sich der Groll gegen rückwärtsgewandte Nostalgiker, die einer umweltbewussten Zukunft im Weg stehen sollen. Fakt ist: Energiesparlampen bergen, sollten sie zu Bruch gehen, ein Gesundheitsrisiko. Die mit Quecksilberdampf betriebene Leuchte, so warnt das Umweltbundesamt, gefährdet vor allem Schwangere und Kinder und erklärt ausführlich, was im Fall der Falles getan werden muss, um möglichen Risiken aus dem Weg zu gehen. Hinzu kommt, dass die Lichtfarbe der Glühlampe eine warmweiße Farbtemperatur aufweist, die vor allem Zuhause eine angenehme Atmosphäre schafft. Wohingegen kaltweiße Energiesparlampen mit ihrem hohen Blauanteil unserem Hormonsystem – wie beim Tageslicht – signalisieren, dass wir wach bleiben sollen. Lediglich die Halogenlampe kommt hier der Glühlampe am nächsten, wird aber 2016 ebenfalls – entsprechend der Anpassung der Effizienzklassen – verboten werden. LEDs könnten hier die Lücke schließen. Sie sind inzwischen in der Lage, die Farbtemperatur der Glühlampe zu erreichen und halten dabei 15-25 Jahre. Sogenannte Retrofit-Lampen für alte Leuchten im Handel sind aber teuer und die Dimmbarkeit der LEDs ist noch nicht zufriedenstellend gelöst.
Wer also – allen Verordnungen zum Trotz – auch in Zukunft auf die Glühlampe setzt, wird sich in den nächsten Monaten noch mit Lagerbeständen der Händler im EU-Binnenmarkt oder auf Amazon und Co. eindecken können. Damit bleibt zumindest bis auf Weiteres die gewohnt warmweisse Lichtquelle im heimischen Wohn- und Schlafzimmer erhalten. Und wer nicht ausreichend versorgt ist, kann sich vielleicht das Modell des hundertjährigen Lichts zum Vorbild nehmen. Sie leuchtet fast ununterbrochen seit dem Jahr 1901 in einer Feuerwache im kalifornischen Livermore. Doch anstatt der ursprünglichen 60 Watt leuchtet die betagte Lichtquelle heute lediglich noch mit 4 Watt. Mit Sicherheit eine günstige Lichtquelle, aber zum Lesen reicht es eher nicht.
Autor: May-Britt Frank-Grosse
Fotos: MIMIME
Ab heute sind 40 Watt Glühlampen des britischen Vintage-Labels MIMIME bei uns erhältlich. Zum einzigen und letzten Mal, denn ab dem 1. September ist ja nun Schluß.






2 Comments
Michael
August 5, 2012Bedenkt man, wie viele dieser Pseudo-Glühbirnen mit eingebauten Halogenleuchtmitteln über die Ladentheke wandern und mit den kleinen eingebauten Platinen wieder hohe Umweltbelastung darstellen, ist doch letztendlich fraglich, was diese Verbote denn bewirken sollen. Solange keine wirklich günstige, energeisparende Alternative gefunden und geboten wird ist jegliches Verbot Schwachsinn.
Pierre
August 5, 2012Da muss man kein Nostalgiker sein um das Heulen zu bekommen – so viel Dummheit… und das alles unter dem Namen Ökologie. Was ist das für eine Rechnung – man analysiert nur ein Bruchteil des Problems statt es von A-Z anzuschauen. Die klassischen Glühbirnen mögen von der reinen Energie nicht effizient sein, aber mindestens kann man sie gefahrlos benutzen. Die Sparlampen sind hoch giftig und wie auch beim Atomstrom gibt es keine saubere Entsorgungslösung. Hat sich schon mal jemand gefragt, wie viele Haushalte wirklich ihre Energiesparlampen in den Sondermüll bringen, bzw, wie viele einfach so im Hausmüll landen…
Sowieso – wir sprechen hier von 0,4 Promille vom gesamten Stromverbrauch…
alles in allem, ein schlechter Witz.
wer zum Trotz trotzdem Glühbirnen kaufen will, einfach nach heatball googlen… ;-)