Colé
Neuer Stern am Möbel-Himmel
Matteo De Ponti, der etwa zehn Jahre Brand-Manager bei Driade war und Laura Macagno, die eine Begeisterung für Design und Kunst mitbringt, bilden die perfekte Einheit für das Gemeinschaftsprojekt Colé. Das Mailänder Möbel-Label feierte erst 2011 auf dem Salone del Mobile sein Debut und hat in etwas mehr als einem Jahr mit ausgefallenen Arbeiten die Herzen der Branche im Sturm erobert. Das Credo der Gründer ist einfach und erfolgversprechend: hochwertige Produkte die in der Tradition der italienischen Möbelindustrie stehen und in intensiver Zusammenarbeit mit allen am Produktionsprozess Beteiligten entwickelt werden. Wir trafen Matteo und Laura in Mailand und sprachen mit ihnen über Inspirationen, gutes Design sowie Argentinien und Italien.
Colé ist ein noch recht junges Label – was habt Ihr beide gemacht, bevor Ihr es gegründet habt?
Bevor wir Colé gegründet haben war Matteo 15 Jahre bei Driade beschäftigt. Die Liebe zu Design und Architektur ist stark durch seine Eltern geprägt worden. Als wir einmal das Bauhausarchiv in Berlin besuchten, staunten unsere Kinder nicht schlecht, dass sie viele Möbel und auch Geschirr aus der Ausstellung schon aus dem Haus ihrer Großeltern kannten. Was mich betrifft, so habe ich nach meinem MBA bei L’Oréal gearbeitet und im Anschluss daran für The European House Ambrosetti. In meiner Familie waren die Themen Geschichte, Wirtschaft, Literatur und Kunst sehr prägend. Meine Eltern sind Anwälte. Darüber hinaus arbeitet mein Vater noch als Schriftsteller, während meine Mutter eher praktisch veranlagt ist und alle Reparaturen im Haus selber erledigt.
Vor drei Jahren hat Matteo sich dazu entschieden seine Stelle bei Driade zu kündigen. Da sich die Erfahrungen aus unserem bisherigen Leben gut ergänzen, wir beide ein wenig verrückt sind und außerdem große Design- und Kunstliebhaber sind, haben wir den Entschluss gefasst, Colé zu gründen.
Ihr arbeitet mit verschiedenen Designern zusammen. Welchen Kriterien müssen die Designer entsprechen, um den Standards von Colé gerecht zu werden?
Der Ausgangspunkt für jedes Colé-Projekt ist ein Briefing, dem wir uns anhand von Bildern, Literatur, Farben, Kunst und Avantgarde annähern. Wir nennen es das ‚Colé-Moodboard‘. Wenn wir merken, dass wir auf der gleichen Wellenlänge mit den Designern liegen, bekommen sie auf jeden Fall ein Angebot von uns, dass unserer DNS entspricht. Das Hauptkriterium ist letztendlich Einfühlungsvermögen – es muss einfach passen. Manche der Designer sind alte Freunde wie beispielsweise Aksu / Suardi. Lorenz –Kaz wurden uns duch Francesca de Ponti vorgestellt. Sie ist bei uns für den Katalog zuständig und ihre Networking-Kompetenzen sind beneidenswert. Einige der Designer kamen aber auch von sich aus auf das Label zu. So haben wir uns zum Beispiel Hals über Kopf in den israelischen Künstler Hagit Pincovici und den französischen Designer Emmanuel Gallina verliebt.
Was ist ‚gutes‘ Design für Euch?
Gutes Design bedeutet für uns in erster Linie gute Qualität hinsichtlich des Projekts, der Produktion und auch der Kommunikation zu sichern. Des Weiteren ist wichtig, dass das fertige Produkt eine gewisse Tiefe hat. Dabei sind uns soziale Kompetenz und Verantwortung gegenüber der Umwelt außerordentlicht wichtig. Gute Produkte können ein Leben lang halten und sin dniemals ein Wegwerfprodukt. Mit Objekten verhält es sich genauso wie mit Menschen: sie müssen eine Seele entwickeln. Der Lauf der Zeit formt und bildet die Seele eines Objekts.
Habt Ihr ein Lieblingsstück oder einen Lieblingsdesigner?
Ein Lieblingsprodukt? Eine einfache Hängematte, La Chaise von Charles und Ray Eames, alles von Mies van der Rohe und unser Lieblingsdesigner ist der brasilianische Architekt Mendes de Rocha.
Ihr wohnt in Mailand, Europas Nummer eins unter den Designstädten – welchen Einfluss hat der hohe Designstandard der euch tagtäglich umgibt auf Eure Arbeit?
Da wir in Mailand leben, sind wir auf eine gewisse Art und Weise gezwungen uns Top-Design und erstklassigen Labels zu stellen. Das ist ohne Frage eine große Herausforderung. Mailand ist generell eine große Herausforderung, da hier Kunst und Technik aufeinandertreffen. Leonardo da Vinci, der hier lebte und arbeitete, ist ein gutes Beispiel für diesen Ansatz. Eigentlich kann man sagen, dass ganz Norditalien ein Land der Innovationen ist. Die moderne Buchführung im Piemont sowie das Finanzwesen in der Lombardei und auch der Handel mit dem Mittleren und Fernen Osten (Venedig) gingen im Mittelalter von Norditalien aus. Doch verlagerten sich diese Innovationen mit der Zeit nach Nordeuropa, da Italien kein einheitliches Land mehr war sondern eine Ansammlung kleiner Stadtstaaten und Königreiche die sich gegenseitig bekämpften. Kapitalismus braucht eine größere kritische Menge um den Skaleneffekt zu erreichen. Es ist also kein Zufall, dass die Hauptstraße im Londoner Finanzbezirk Lombard Street heißt. Mailand war außerdem die Stadt der Zukunft.
Welches Projekt steht bei Euch als nächstes an?
Sicherlich die Weiterentwicklung unseres neuen Showrooms in Mailand in Zusammenarbeit mit Off Brera, dem Vater der Brera Academy of Fine Arts. Diese Akademie ist ein wahres Trendlabor, das die gegenseitige Befruchtung von Kunst und Design vorantreibt. Und produktseitig? Hm. Lasst uns doch den Spannungsbogen noch aufrecht halten.
Autor: Petra Neye, Bilder: Colé


