Alex Valder
Von Kunst und Design
Um Alex Valder zu besuchen, muss man bis auf den zweiten Hinterhof eines alten Gebäudekomplexes in Kreuzberg vordringen. Vorbei an mehr oder weniger zerlegten Autos und Motorrädern und den dazugehörigen Werkstätten. Von dort geht es in den dritten Stock. Alex öffnet die Tür und lässt mich in das lichtdurchflutete Loft, das ihm und Judith Seng nicht nur als Atelier, sondern auch als Wohnraum dient. Die Kombination aus Neuem und Altem, aus einfachen Gebrauchsgegenständen und Kunstwerken, passt perfekt zu dem Mann, der mir gegenüber am großen Küchentisch sitzt. Durch eine Glasscheibe zum Nachbarraum sieht man modern eingerichtete Arbeitsplätze mit Rechnern, eine klassische Werkbank und zwei alte Sessel, die vor einem Holzofen stehen. Alles strahlt Behaglichkeit, Kreativität und Produktivität zugleich aus. Man verliebt sich sofort in diesen Ort und möchte gleich einziehen, arbeiten und genießen.
Was hast Du gemacht, bevor Du Dich selbstständig gemacht hast?
Ich habe direkt nach dem Studium für eine Firma gearbeitet, die sich auf Ausstellungsdesign, mit dem Schwerpunkt Wissenschafts-Ausstellungen, spezialisiert hat. Dort habe ich ein modulares Messe- und Ausstellungssystem entwickelt und mich sechs Jahre lang intensiv damit beschäftigt. 2010 beschloss ich, mich wieder mehr um meine eigenen Projekte zu kümmern. Denn dafür war nebenher fast gar keine Zeit mehr. Sechs Jahre sind eine sehr lange Zeit, für ein einzelnes Projekt und ich wollte mich selbst weiterentwickeln können.
Deine Projekte haben einen sehr rohen Stil. In welche Richtung geht Deine Arbeit denn in Zukunft?
Das ist ein ziemlich schwieriges und komplexes Thema. Gestaltung ist in meinen Augen so wahnsinnig wichtig. Ich persönlich finde, dass das fertige Produkt gegenüber den Vormodellen und Prototypen oft an Stärke und Ausdruck verliert. Genau das sieht man auch an den Sachen, die ich mache. Ich mag die Arbeit in der Werkstatt, das Hantieren mit den Werkstoffen und den daraus resultierenden Entwicklungsprozess. Interessanterweise kommen viele Kunden und mögen diesen einfach und rauen Stil. Wenn es dann aber darum geht, diese Möbel auch in ihrem Umfeld zu platzieren, werden genau diese Details schnell unbequem. Grundsätzlich wird die Zeit natürlich von alleine zeigen, wohin es in Zukunft geht. Größtenteils wird das aber sicher von den jeweiligen Projekten abhängig sein. Kundenaufträge sind halt immer eine ganz eigene, aber sehr spannende Welt.
Dein Tagesgeschäft besteht also nicht daraus, Möbel wie die „Boekkle“ Serie zu entwerfen?
Das wäre zwar sehr schön, ich lasse meinen persönlichen Projekten auch immer genügend Platz, um sie realisieren zu können, aber das Tagesgeschäft besteht vor allem aus Kundenaufträgen. Viele dieser Sachen mache ich zusammen mit Judith. Das umfasst Dinge wie Messestände, Museumsshops oder auch private Häuser und Wohnungen.
Kannst Du Deine eigene Design-Philosophie kurz und knapp zusammenfassen?
Ich hatte befürchtet, dass Du das fragen würdest und mir tatsächlich verschiedene Gedanken dazu gemacht. So ganz einfach kann ich das aber nicht in ein paar Sätze fassen. Ich entwerfe meine Produkte schon immer aus einem persönlichen Bedürfnis heraus, aber trotzdem braucht es auch immer noch dieses gewisse Etwas. Irgendwelche Besonderheiten, die aus dem Herstellungsprozess heraus entstehen oder Ähnliches. Ich versuche immer wieder, ganz spezielle und eigene Produkte zu erschaffen. Wovor es mir am meisten graust, wäre eine Anfrage einer Firma, die beliebige Massenware herstellt. Die damit einhergehenden Einschränkungen widerstreben mir einfach und mir würde der Grund fehlen, ein weiteres gesichtsloses Produkt zu entwerfen. Ich glaube, ich bin immer auf der Suche nach dem Besonderen.
…
Während Alex sich wieder an seinen Schreibtisch setzt, um die nächsten Projekte und Ideen voranzutreiben, gehe ich in jeden Winkel des fantastischen Lofts. Überall finden sich große und kleine Dinge, die ich fotografieren und ansehen möchte. Die natürlich gewachsene Mischung aus alltäglichen Gegenständen und den Entwürfen von Alex Valder und Judith Seng, seiner Kollegin und Mitbewohnerin, ist faszinierend schön. Eigentlich schade, dass ich wieder zurück an meinen eigenen Schreibtisch muss.
Kai Petermann lebt in Berlin und schreibt bei Stilsucht täglich über Produktdesign.
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