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Die imm cologne 2012
Fotografieren verboten






Zwischen Sofas im Gegenwert eines Kleinwagens und asiatischen Kopien von Kopien ist auf der imm cologne nicht nur Platz für viele Tausend Menschen, in den vollgestopften Messehallen lassen sich auch ein paar wahre Design Highlights entdecken. Wenn man keinen ausgesprochenen Faible für Pressspannmöbel oder fragwürdige Neuinterpretationen einiger Design Klassiker hat, kann man als einfacher Besucher die meisten Hallen einfach links liegen lassen.

Es sind vor allem die jungen Designer, deren Produkte mich interessieren und so führt mich mein Weg zuerst in Halle 3, wo neben renommierten Marken wie e15 oder Thonet die sogenannten Design Talents zu finden sind. Hier werden den Ideen kaum Grenzen gesetzt und so sind auch nicht alle Möbel wirklich funktional, aber auf jeden Fall spannend. Die Bandbreite reicht von Tim Mackerodts FALT.leuchte aus Beton, über die Konzeptidee The Living Structure von David Hanauer, Jess Fuglers clevere Liege Jam, bis hin zu Julien Renaults Recycling Plastic Range in Holzoptik.

Jedes einzelne Stück des [D³] Contests hat seine Daseinsberechtigung und weckt die Hoffnung, dass noch sehr viele großartige Ideen in den Köpfen junger Designer stecken. Oft genug haben die Gewinner des Wettbewerbs ihre Entwürfe auch schon zu Serienprodukten werden lassen können.

Gleich nebenan präsentierten die sogenannten [D³] Professionals – unabhängige und teilweise bereits sehr gut etablierte Designstudios – ihre Produkte auf kleinstem Raum. Dass man nicht mehr als ein Produkt braucht, um erfolgreich zu sein, bewies Ahmet Sismanoglu mit seinem SuperSputnik und die drei Jungs von Supergrau hatten neben ihren bereits bewährten Produkten eine großartigen Möbelidee aus Kanthölzern dabei.

Tatsächlich ließe sich die imm cologne 2012 damit thematisch abschließen, denn die Produkte der Großen der Branche lassen sich in jedem gut sortierten Möbelladen bestaunen und ausprobieren. Das hielt mich jedoch nicht davon ab auch einen Abstecher zu Walter Knoll, Ligne Roset oder B&B Italia zu machen.

Die Flut an Eindrücken ist enorm und die Vorstellungskraft eines Normeuropäers reicht kaum aus, um die dargebotene Menge an Wohnwänden, artig dekorierten Essbereichen und kunstvoll inszenierten, aber unpraktisch wirkenden Jugendzimmern zu verarbeiten.

Das auffälligste Merkmal dieser Messe war aber das allgegenwärtige Fotografie-Verbot. Selten sieht man eine solch große Menge an Schildern, die das fotografieren untersagen. Einerseits ist das natürlich verständlich, denn man braucht keine großen Anstrengungen zu unternehmen, um mehr oder weniger gelungene Kopien der dort gezeigten Möbel zu finden. Meist reicht es aus, zwei Hallen weiter zu gehen und auf den vorwiegend asiatischen Ständen die Augen offen zu halten. Dort ist man übrigens noch weniger erfreut, wenn jemand mit einer Kamera in der Hand auftaucht. Unautorisierte Reproduktionen sind schließlich kein Kavaliersdelikt und Grund genug, um komplette Messestände schließen zu lassen. Dementsprechend rau ist der dort herrschende Ton und auch der Hinweis, Mitglied der Presse zu sein, beeindruckt hier wenig.

Andererseits leben wir längst im digitalen Zeitalter und wer schnellstmöglich Kopien von bereits existierenden Dingen machen möchte, findet einen Weg. Vielleicht ist auch nur die Art und Weise entscheidend, wie auf Fotografen reagiert wird. Denn eventuell sind die Damen und Herren mit Smartphones tatsächlich eine größere Gefahr, als diejenigen, die mit einer Spiegelreflexkamera über die Messe laufen. Wer weiß das schon.

Eine kleine Geschichte zum Thema Kopien durfte ich auch erleben. Da kam nämlich einer der größeren Aussteller auf das fantastische Label Bocci zu und sagte, man habe ein paar ihrer Leuchten bei sich auf dem Stand hängen und das wäre doch ein toller Grund sich gegenseitig Besucher zu schicken. Ein prüfender Blick auf besagten Messestand zeigte jedoch, dass dort lediglich Kopien der Bocci Glaskugeln hingen. An dieser Stelle wird die Stimmung schnell eisig.

Während sich die Jungdesigner vor allem auf die leicht zu produzierenden Hocker und Leuchten konzentrieren, haben die Möbelfirmen der Welt offensichtlich einen anderen Fokus. Die Menge der ausgestellten Sofas ist nahezu unvorstellbar und es drängt sich einem die Frage auf, ob der Lebenszyklus eines solchen Möbels mittlerweile bei drei oder vier Jahren angekommen ist oder vielleicht doch unheimlich viele Europäer einfach kein eigenes Sofa besitzen. Vermutlich hätte jeder Kölner Haushalt auf der imm cologne ein neues Sofa bekommen können und dann wären noch immer ungefähr 14 Stück übrig geblieben. Eventuell passe ich mit meinem fast 40 Jahre alten klassischen De Sede Sofa auch nur nicht ins Beuteschema der Hersteller.

Nach zwei Tagen und vielen Kilometern über Teppiche, Holzplanken und Parkett lässt sich zusammenfassen, dass die imm cologne immer eine Reise wert ist. Schon allein, um Michael Ballack unerkannt über die Messe laufen zu sehen und einmal im Leben die unglaubliche Menge an farbigem Samt auf dem Stand von Bretz zu bestaunen.

 
Kai Petermann lebt in Berlin und schreibt bei Stilsucht täglich über Produktdesign. Für MONOQI wagte er sich auf der imm cologne auch in die Hallen mit den Möbelträumen aus Spanplatten.